Kurz gesagt: Ein Werkszeugnis 3.1 – normgerecht Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach DIN EN 10204 – ist der Nachweis des Herstellers, dass die gelieferte Charge der bestellten Erzeugnisnorm entspricht: mit chemischer Zusammensetzung und mechanischen Prüfergebnissen je Charge, bestätigt von einem vom Fertigungsbereich unabhängigen Abnahmebeauftragten. Wer Stahl, Guss, Schmiedeteile oder Rohre einkauft, bekommt mit jeder Lieferung eines. Tiro liest solche Zeugnisse aus PDFs und Scans aus und liefert sie als Tabelle – im Beispiel 13 Kopf-Felder und 5 Chargen mit je 15 Werten aus zwei getrennten Tabellen, zusammengeführt zu einer Zeile pro Charge.
Unten siehst du das vollständige Beispiel: das Zeugnis, die ausgelesenen Daten und das Ergebnis in der App.
Die Zeugnisarten nach EN 10204 im Vergleich
DIN EN 10204 kennt vier Arten von Prüfbescheinigungen für metallische Erzeugnisse. Sie unterscheiden sich darin, ob Prüfergebnisse enthalten sind, woran geprüft wurde und wer unterschreibt:
| Art | Bezeichnung | Prüfergebnisse | Bestätigt durch |
|---|---|---|---|
| 2.1 | Werksbescheinigung | keine – nur Bestätigung, dass die Lieferung der Bestellung entspricht | Hersteller |
| 2.2 | Werkszeugnis | Ergebnisse einer nichtspezifischen Prüfung (nicht zwingend an der gelieferten Charge) | Hersteller |
| 3.1 | Abnahmeprüfzeugnis | Ergebnisse einer spezifischen Prüfung an den gelieferten Erzeugnissen | vom Fertigungsbereich unabhängiger Abnahmebeauftragter des Herstellers |
| 3.2 | Abnahmeprüfzeugnis | wie 3.1 | Abnahmebeauftragter des Herstellers und des Bestellers bzw. amtlicher Abnahmebeauftragter |
Im Einkauf ist das 3.1 der Standardfall, sobald es um tragende, druckbeaufschlagte oder sicherheitsrelevante Bauteile geht: Regelwerke wie die Druckgeräterichtlinie oder EN 1090 verlangen für solche Werkstoffe in der Regel eine spezifische Prüfung mit Rückverfolgbarkeit zur Charge. Welche Zeugnisart geliefert werden muss, legt immer die Bestellung fest.
Was auf einem Abnahmeprüfzeugnis 3.1 steht
Das Layout ist bei jedem Werk anders, der Inhalt folgt der Erzeugnisnorm und ist deshalb erstaunlich ähnlich:
- Kopf: Zeugnis-Nr. und Zeugnisart, Hersteller mit Werk, Besteller, Bestell- und Lieferschein-Nr., Erzeugnis (z. B. Grobblech, Rohr, Stabstahl), Norm und Werkstoff/Güte (im Beispiel EN 10025-2, S355J2+N), Lieferzustand (+N, +AR, +M …), Abmessungen und Gesamtgewicht.
- Kennzeichnung je Position: Chargen-Nr. (Schmelze), Tafel-/Rohr-/Bund-Nr., Stückzahl, Gewicht – die Brücke zwischen Zeugnis und dem physischen Material im Lager.
- Chemische Zusammensetzung (Schmelzenanalyse): Massenanteile in % je Charge – C, Si, Mn, P, S, bei legierten Güten Cr, Ni, Mo, V, Nb …, oft mit dem Kohlenstoffäquivalent CEV. Daneben die Grenzwerte der Norm zum Vergleich.
- Mechanische Eigenschaften: Zugversuch mit Streckgrenze ReH, Zugfestigkeit Rm und Bruchdehnung A; Kerbschlagbiegeversuch mit Prüftemperatur (bei J2 −20 °C) und Kerbschlagarbeit KV2 als drei Einzelwerte plus Mittelwert; je nach Erzeugnis Härte, Faltversuch, Ultraschallprüfung.
- Bestätigung: Erklärung, dass die Erzeugnisse den Anforderungen der Bestellung entsprechen, Name und Unterschrift des Abnahmebeauftragten, Datum – bei Zeugnissen per EDI oder Portal heute meist digital signiert.
Wer Zeugnisse bekommt – und was damit passieren muss
Wer Material herstellt, schreibt Zeugnisse – wer Material von vielen Lieferanten einkauft, bekommt sie: Wareneingangsprüfung, Qualitätssicherung und Werkstofftechnik bei Stahl- und Metallbauern, Armaturen- und Druckgeräteherstellern, Werften, Anlagen- und Maschinenbauern. Mit jeder Lieferung kommt ein 3.1 – von jedem Werk und Händler in einem anderen Layout, oft gescannt oder gefaxt. Vor der Freigabe müssen die Werte je Charge erfasst und gegen Norm und eigene Spezifikation geprüft werden, danach bleiben sie für die Rückverfolgbarkeit in der Werkstoffdatenbank oder Bauakte. Genau dieses Abtippen – und die Übertragungsfehler, die dabei entstehen – ist die Arbeit, die sich automatisieren lässt.
Zeugnisse auslesen: vom PDF zur Werkstofftabelle
Ein PDF-zu-Excel-Konverter kopiert das Layout der Seite in Zellen. Bei einem Werkszeugnis heißt das: Chemie und Mechanik bleiben zwei getrennte Blöcke, die Norm-Grenzwerte landen zwischen den Ergebnissen, und die Chargen-Nr. muss von Hand zugeordnet werden. Tiro arbeitet mit Feldern statt Layout: Du legst einmal fest, welche Kopf-Felder und welche Spalten je Charge du brauchst, und jedes Zeugnis – egal von welchem Werk – läuft in dieselbe Tabelle. Dabei werden Zahlen per Default normalisiert: 0,014 % Phosphor ist eine Zahl, −20 °C eine Zahl mit Vorzeichen, der gedruckte Mittelwert der drei Kerbschlagwerte wird wie angewiesen übernommen. Was aus Tiro kommt, kann Excel sofort gegen deine Grenzwerte prüfen. Wie dieselbe Idee bei Laborprüfberichten und Analysenzertifikaten aussieht, zeigt die Seite Qualitätssicherung; gescannte oder fotografierte Zeugnisse funktionieren wie unter PDFs & Scans gezeigt.

