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Werkszeugnis 3.1 nach EN 10204 – Aufbau, Zeugnisarten, Auslesen

Was ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 ist, wie es sich von 2.1, 2.2 und 3.2 unterscheidet, was drinsteht – und wie die Werte je Charge als Tabelle herauskommen.

Von Christian Gerloff · Veröffentlicht am 30. August 2026

Kurz gesagt: Ein Werkszeugnis 3.1 – normgerecht Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach DIN EN 10204 – ist der Nachweis des Herstellers, dass die gelieferte Charge der bestellten Erzeugnisnorm entspricht: mit chemischer Zusammensetzung und mechanischen Prüfergebnissen je Charge, bestätigt von einem vom Fertigungsbereich unabhängigen Abnahmebeauftragten. Wer Stahl, Guss, Schmiedeteile oder Rohre einkauft, bekommt mit jeder Lieferung eines. Tiro liest solche Zeugnisse aus PDFs und Scans aus und liefert sie als Tabelle – im Beispiel 13 Kopf-Felder und 5 Chargen mit je 15 Werten aus zwei getrennten Tabellen, zusammengeführt zu einer Zeile pro Charge.

Unten siehst du das vollständige Beispiel: das Zeugnis, die ausgelesenen Daten und das Ergebnis in der App.

Die Zeugnisarten nach EN 10204 im Vergleich

DIN EN 10204 kennt vier Arten von Prüfbescheinigungen für metallische Erzeugnisse. Sie unterscheiden sich darin, ob Prüfergebnisse enthalten sind, woran geprüft wurde und wer unterschreibt:

ArtBezeichnungPrüfergebnisseBestätigt durch
2.1Werksbescheinigungkeine – nur Bestätigung, dass die Lieferung der Bestellung entsprichtHersteller
2.2WerkszeugnisErgebnisse einer nichtspezifischen Prüfung (nicht zwingend an der gelieferten Charge)Hersteller
3.1AbnahmeprüfzeugnisErgebnisse einer spezifischen Prüfung an den gelieferten Erzeugnissenvom Fertigungsbereich unabhängiger Abnahmebeauftragter des Herstellers
3.2Abnahmeprüfzeugniswie 3.1Abnahmebeauftragter des Herstellers und des Bestellers bzw. amtlicher Abnahmebeauftragter

Im Einkauf ist das 3.1 der Standardfall, sobald es um tragende, druckbeaufschlagte oder sicherheitsrelevante Bauteile geht: Regelwerke wie die Druckgeräterichtlinie oder EN 1090 verlangen für solche Werkstoffe in der Regel eine spezifische Prüfung mit Rückverfolgbarkeit zur Charge. Welche Zeugnisart geliefert werden muss, legt immer die Bestellung fest.

Was auf einem Abnahmeprüfzeugnis 3.1 steht

Das Layout ist bei jedem Werk anders, der Inhalt folgt der Erzeugnisnorm und ist deshalb erstaunlich ähnlich:

  • Kopf: Zeugnis-Nr. und Zeugnisart, Hersteller mit Werk, Besteller, Bestell- und Lieferschein-Nr., Erzeugnis (z. B. Grobblech, Rohr, Stabstahl), Norm und Werkstoff/Güte (im Beispiel EN 10025-2, S355J2+N), Lieferzustand (+N, +AR, +M …), Abmessungen und Gesamtgewicht.
  • Kennzeichnung je Position: Chargen-Nr. (Schmelze), Tafel-/Rohr-/Bund-Nr., Stückzahl, Gewicht – die Brücke zwischen Zeugnis und dem physischen Material im Lager.
  • Chemische Zusammensetzung (Schmelzenanalyse): Massenanteile in % je Charge – C, Si, Mn, P, S, bei legierten Güten Cr, Ni, Mo, V, Nb …, oft mit dem Kohlenstoffäquivalent CEV. Daneben die Grenzwerte der Norm zum Vergleich.
  • Mechanische Eigenschaften: Zugversuch mit Streckgrenze ReH, Zugfestigkeit Rm und Bruchdehnung A; Kerbschlagbiegeversuch mit Prüftemperatur (bei J2 −20 °C) und Kerbschlagarbeit KV2 als drei Einzelwerte plus Mittelwert; je nach Erzeugnis Härte, Faltversuch, Ultraschallprüfung.
  • Bestätigung: Erklärung, dass die Erzeugnisse den Anforderungen der Bestellung entsprechen, Name und Unterschrift des Abnahmebeauftragten, Datum – bei Zeugnissen per EDI oder Portal heute meist digital signiert.

Wer Zeugnisse bekommt – und was damit passieren muss

Wer Material herstellt, schreibt Zeugnisse – wer Material von vielen Lieferanten einkauft, bekommt sie: Wareneingangsprüfung, Qualitätssicherung und Werkstofftechnik bei Stahl- und Metallbauern, Armaturen- und Druckgeräteherstellern, Werften, Anlagen- und Maschinenbauern. Mit jeder Lieferung kommt ein 3.1 – von jedem Werk und Händler in einem anderen Layout, oft gescannt oder gefaxt. Vor der Freigabe müssen die Werte je Charge erfasst und gegen Norm und eigene Spezifikation geprüft werden, danach bleiben sie für die Rückverfolgbarkeit in der Werkstoffdatenbank oder Bauakte. Genau dieses Abtippen – und die Übertragungsfehler, die dabei entstehen – ist die Arbeit, die sich automatisieren lässt.

Zeugnisse auslesen: vom PDF zur Werkstofftabelle

Ein PDF-zu-Excel-Konverter kopiert das Layout der Seite in Zellen. Bei einem Werkszeugnis heißt das: Chemie und Mechanik bleiben zwei getrennte Blöcke, die Norm-Grenzwerte landen zwischen den Ergebnissen, und die Chargen-Nr. muss von Hand zugeordnet werden. Tiro arbeitet mit Feldern statt Layout: Du legst einmal fest, welche Kopf-Felder und welche Spalten je Charge du brauchst, und jedes Zeugnis – egal von welchem Werk – läuft in dieselbe Tabelle. Dabei werden Zahlen per Default normalisiert: 0,014 % Phosphor ist eine Zahl, −20 °C eine Zahl mit Vorzeichen, der gedruckte Mittelwert der drei Kerbschlagwerte wird wie angewiesen übernommen. Was aus Tiro kommt, kann Excel sofort gegen deine Grenzwerte prüfen. Wie dieselbe Idee bei Laborprüfberichten und Analysenzertifikaten aussieht, zeigt die Seite Qualitätssicherung; gescannte oder fotografierte Zeugnisse funktionieren wie unter PDFs & Scans gezeigt.

Beispiel: vom Dokument zur Tabelle

Ein fiktives Dokument, eine Inbox, ein Lauf in Tiro — unverändert wiedergegeben. Firma, Personen und Zahlen sind erfunden.

1. Das Dokument

Beispiel-Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204 der fiktiven Kestrel Steel Works für Grobblech S355J2+N mit Schmelzenanalyse und mechanischen Kennwerten für fünf Chargen
Beispiel-PDF öffnen: Abnahmeprüfzeugnis 3.1 (PDF, eine Seite)

2. Die ausgelesenen Daten

Kopf-Felder einmal pro Dokument, die Tabelle als eine Zeile pro Position — Datum als Datum, Zahlen als Zahlen. Die ersten Zeilen sind ausgeklappt, der Rest steht dahinter.

Kopf-Felder
FeldWert
Zeugnis-Nr.MTC-2026-07-18342
Zeugnisart3.1
Ausstellungsdatum18.07.2026
HerstellerKestrel Steel Works B.V.
BestellerMeridian Valve & Fitting Co.
Bestell-Nr.PO-48117-MV
Lieferschein-Nr.DN 2026-071855
ErzeugnisHot-rolled heavy plate, edges as rolled
NormEN 10025-2:2019
Werkstoff / GüteS355J2+N
Lieferzustand+N (normalized rolled)
Abmessungen20.0 × 2,500 × 8,000 mm
Gesamtgewicht (kg)47.100
Positionen (5)
Chargen-Nr.Tafel-Nr.StückGewicht (kg)C (%)Si (%)Mn (%)P (%)S (%)CEVStreckgrenze ReH (MPa)Zugfestigkeit Rm (MPa)Dehnung A (%)Kerbschlag-Prüftemperatur (°C)Kerbschlagarbeit KV2 Mittel (J)
K26-40817P-18342-0139.4200,160,381,420,0140,0060,4139854126,5-20110
K26-40819P-18342-02412.5600,150,361,450,0120,0040,441255325-20134
K26-40822P-18342-0326.2800,170,411,390,0160,0070,4238653227,5-2096
K26-40825P-18342-0439.4200,140,341,480,0110,0030,442156024,5-20146
K26-40831P-18342-0539.4200,160,391,440,0130,0050,4140454726-20117

3. So sieht es in Tiro aus

Das Ergebnis im Browser, direkt nach dem Upload. Von hier geht es per Klick als Excel oder CSV weiter.

Das Ergebnis in Tiro – Kopf-Felder des Werkszeugnisses und je Charge eine Zeile mit Chemie und mechanischen Werten, mit Download als CSV oder Excel

So funktioniert es

  1. Inbox „Werkszeugnisse“ anlegen

    Nach der Registrierung gibst du der Inbox einen Namen. Beim ersten Upload schlägt die KI die Felder vor – Zeugnis-Nr., Werkstoff, Norm, eine Tabelle mit den Chargen. Du entscheidest, welche Elemente und Prüfwerte du brauchst, und passt die Namen einmal an.

  2. Zeugnisse hochladen

    Von jedem Werk oder Händler, in jedem Layout – jedes PDF wird einzeln gelesen. Gescannte oder gefaxte Zeugnisse funktionieren genauso wie digital erzeugte.

  3. Tabelle herunterladen

    Eine Zeile pro Charge mit Chemie und mechanischen Werten als echte Zahlen. Excel oder CSV – fertig für die Wareneingangsprüfung, den Grenzwertabgleich gegen die eigene Spezifikation oder die Werkstoffdatenbank.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Werkszeugnis 2.2 und Abnahmeprüfzeugnis 3.1?

Beide enthalten Prüfergebnisse, aber aus unterschiedlichen Prüfungen: Das Werkszeugnis 2.2 gibt Ergebnisse einer nichtspezifischen Prüfung wieder – der Hersteller prüft nach eigenem Verfahren, nicht unbedingt an der gelieferten Charge. Das Abnahmeprüfzeugnis 3.1 enthält Ergebnisse einer spezifischen Prüfung an den gelieferten Erzeugnissen, bestätigt von einem Abnahmebeauftragten des Herstellers, der vom Fertigungsbereich unabhängig ist. Deshalb verlangen Bestellungen für tragende oder druckbeaufschlagte Bauteile in der Regel ein 3.1.

Was bedeutet APZ 3.1?

APZ ist die Kurzform für Abnahmeprüfzeugnis, 3.1 die Zeugnisart nach DIN EN 10204. „APZ 3.1“, „Werkszeugnis 3.1“, „Zeugnis 3.1“ und englisch „Mill Test Certificate“ (MTC) oder „Inspection Certificate 3.1“ meinen im Alltag dasselbe Dokument – normgerecht heißt es Abnahmeprüfzeugnis 3.1.

Wann brauche ich ein Zeugnis 3.2 statt 3.1?

Wenn der Besteller oder eine unabhängige Stelle die Prüfung selbst bestätigen soll: Beim 3.2 unterzeichnen sowohl der Abnahmebeauftragte des Herstellers als auch der vom Besteller beauftragte oder ein amtlicher Abnahmebeauftragter (etwa eine benannte Stelle). Üblich ist das bei Druckgeräten höherer Kategorien, im Schiffbau mit Klassifikationsgesellschaft und bei sicherheitskritischen Bauteilen – die Bestellung legt fest, welche Zeugnisart geliefert werden muss.

Was regelt DIN EN 10204?

Die Norm „Metallische Erzeugnisse – Arten von Prüfbescheinigungen“ (aktuelle Ausgabe 2005) legt fest, welche Prüfbescheinigungen es gibt (2.1, 2.2, 3.1, 3.2), was sie bestätigen und wer sie unterzeichnet. Was geprüft wird und welche Werte zulässig sind, steht nicht in EN 10204, sondern in der Erzeugnisnorm – im Beispiel EN 10025-2 für S355J2+N – und in der Bestellung.

Wie bekomme ich die Werte aus einem Werkszeugnis in Excel?

Zeugnis als PDF, Scan oder Foto in eine Inbox hochladen – Tiro liefert die Kopf-Felder (Zeugnis-Nr., Werkstoff, Norm, Lieferzustand, Bestell-Nr.) und eine Zeile pro Charge mit Schmelzenanalyse und mechanischen Werten, als Excel oder CSV. Zeugnisse anderer Werke laufen in dieselbe Tabelle, weil die Felder und nicht das Layout zählen.

Funktioniert das, wenn Chemie und Mechanik in zwei getrennten Tabellen stehen?

Ja – das ist der Normalfall, und das Beispiel oben zeigt genau das. Das Zeugnis führt die Schmelzenanalyse in einer Tabelle und Zug- und Kerbschlagversuch in einer anderen; Tiro führt beide über die Chargen-Nr. zu einer Zeile je Charge zusammen und lässt die Zeilen mit den Norm-Grenzwerten weg, wie in der Felddefinition angewiesen.

Kann ich die Werte gegen meine eigenen Grenzwerte prüfen?

In Tiro noch nicht – die Tabelle liefert die Werte als echte Zahlen, damit ist der Grenzwertabgleich in Excel eine Formel pro Spalte. Eine Regelprüfung direkt in der App ist als Teil des Prüfschritts geplant.

Wo werden die Dokumente verarbeitet und wie lange bleiben sie gespeichert?

Die App läuft auf Servern in Deutschland, die KI-Verarbeitung über AWS Bedrock in der EU-Region Frankfurt, ohne Training mit deinen Daten. Die Aufbewahrung stellst du pro Inbox ein – bis hin zu „sofort nach dem Export löschen“.

Was kostet das?

Der Einstieg ist kostenlos – 20 Seiten pro Monat, ohne Kreditkarte. Eine Seite ist ein Credit, ein einseitiges Zeugnis kostet also einen Credit. Bezahlpläne unterscheiden sich nur in der Seitenzahl.